Sonntag, 20. September 2009

Frische Muscheln mit Marzipan

Keine Angst liebe Intellis, Ihr seit nicht auf den Rezeptseiten von Herrn Melzer oder Schuhbeck gelandet! Auch werde ich mich davor hüten, heute mit Euch einen Kochkurs veranstalten zu wollen. Obwohl, so schlecht koche ich eigentlich gar nicht :-)

Also, es ging am Wochenende zum Pokern in die schöne Hansestadt Lübeck, genauer gesagt nach Travemünde. Und da Lübeck ja bekanntlich die heimliche Marzipanhaupstadt Deutschlands ist und das Casino nur einen Steinwurf von der Ostsee entfernt liegt, bietet sich so eine Geschmacksverirrung als Überschrift doch wunderbar an.


Im gemütlichen Tempo ging es von Norderstedt aus über die Landstraßen Schleswig-Holstein´s in Richtung Lübecker Altstadt. Denn vor dem Turnier wollte ich unbedingt noch ein paar schöne Fotos von den historischen Bauten Lübeck´s machen und dies dann gleich mit einem kleinen Stadtbummel verbinden. Ein Parkplatz vor der Touristen-Info war schnell gefunden und für gerade mal 90 Cent kaufte ich mir dort einen kleinen Stadtführer mit einer eingezeichneten Rundroute durch Lübeck, die ca. 90 Minuten in Anspruch nehmen würde. Ich durfte (mit Parkscheibe) zwar nur 60 Minuten vor der Info stehen bleiben, aber wie durch ein Wunder stand als Ankunftszeit 16:30 auf der Scheibe, obwohl es doch erst 16:05 war. So was aber auch :-) Schnell die Parkscheibe aufs Armaturenbrett gelegt und die Kamera von der Rückbank geschnappt und ab ging die Post.

Bei super Wetter, einer schönen Altstadt und einem kleinen, schnuckligen Museumshafen machte das Flanieren richtig Spaß. Nur die Lichtverhältnisse waren durch die jetzt schon sehr tiefstehende Sonne und den engen Gassen zum fotografieren nicht immer ganz so toll. Fast punktgenau um 17:30 stand ich dann wieder vor meinem Auto und sah sofort dieses kleine Stückchen Papier unter meinem Scheibenwischer. Was´n jetzt los? Das kann doch gar kein Ticket für Falschparken sein, denn ich war ja im Zeitrahmen geblieben.


Den Zettel vom Gummi des Wischers befreit und das erste was ich dann lass war: Der Bürgermeister der Stadt Lübeck …...“Cool, der ist aber nett. Der kennt mich doch noch gar nicht und schreibt mir schon ein Brief. Vielleicht ist es ja sogar eine hübsche Meisterin“ dachte ich so in meiner Naivität zu mir um dann weiterlesen zu müssen, dass ich 10,- Euro abdrücken darf! Aber wofür denn bloß? Durch Zufall erspähte ich auf der anderen Straßenseite einen Polizisten, den ich auch sofort um Aufklärung bat. Er erklärte mir, dass ich keine ASU Plakette mehr an meinem Nummernschild hätte und das kostet halt 10,- €. HOCHVERRAT !!! Wer bitte schön klaut mir denn da am hellichten Tage meine ASU Plakette. Ich glaub ich werd´ bekloppt!!

Mit geballter Wut im Bauch fuhr ich dann zum Casino. Auf dem Weg dorthin wurde ich allerdings noch um weitere € 1,20 erleichtert, weil ich für eine Tunneldurchfahrt Maut bezahlen musste. Ich habe in meinem ganzen Leben noch NIEMALS Maut in Deutschland bezahlt. Aber Sven hat´s ja. Auf dem Parkplatz des Casinos waren´s dann nochmal € 5,- weniger. Halleluja !!! Und es sollte heute leider nicht besser werden :-(




^^ Lübecker Impressionen ^^



Nun aber zum Pokern: Es galt heute, sich bei einen € 50,-+ € 5,- MTT-Satelliten (mit einem optionalen Rebuy und Addon für je € 50,-) für die 2. TEXAS HOLD'EM POKERMEISTERSCHAFT der Spielbanken Schleswig-Holstein (€ 550,-) zu qualifizieren, die am 9. und 10. Oktober im Casino Travemünde stattfinden werden. Wobei man „MTT-Satellit“ nicht allzu Ernst nehmen sollte, da die Spielbank nur Platz für drei 11er Tische hat. Mit 2000 Startchips und folgender Blindstruktur wurde gespielt:


20 Minuten Level

1 .Level 20/40
2. Level 40/80
3. Level 60/120
4. Level 100/200
5. Level ???/???

Oh,Oh die Fragezeichen verheißen gar nicht´s Gutes. Denn entweder leide ich schon an Gedächtnissschwund, weil ich mir die Level nicht mehr merken kann oder aber ...


^^ Casino Travemünde bei Nacht ^^


Im ersten Blindlevel passierte relativ wenig und so war genug Zeit für mich da, sich wieder ans deutsche Turnierpoker zu gewöhnen. Denn nach über einem Jahr war das das erste Turnier für mich, wo man auch mal wieder auf Deutsch pöbeln durfte :-) In Level 2 versuchte ich mein Glück mit :8d :8s und bezahlte das Raise von 240, um dann auf dem Flop natürlich kein Set zu bekommen. Mit ca. 1600 Chips fand ich dann in MP :Kc :Ks und raiste bei 2 Limpern auf 420. Einer bezahlte und der Flop brachte :Tx :Tx :4x. Der Limper wettete sofort 1k Chips von vorne und da ich Ihn auf ein mittleres Paar setzte schob ich Allin. Die restlichen Chips zahlte er natürlich sofort und drehte mit :Tc :5c meinen Untergang um. Sein Ausspruch: „Es war ja schließlich Suited und ohne eine :Tx oder :5x könne man halt keine Strasse machen, so dass er einfach bezahlen musste“ sorgte für großes Gelächter am Tisch und alle stimmten Ihm zu.(Natürlich nur damit er auch ja so „suboptimal“ weiterspielen möge. :-)

REBUY!!!

Weiter ging es ein paar Hände später und schon in Level 3 mit :Qc :Qh für mich. Mr. Talentfrei raiste auch brav vor mir auf 280 und ich machte ein Reraise auf 780. Doch auf einmal wachte der Button auf und schob seine Chips Allin. Der original Raiser schmiss weg und nun war ich wieder dran. Super und nun??? Ich hatte noch ca. 1100 Chips vor mir und im Pot lagen ca. 3120. Es waren gerade mal 50 Minuten bzw. 30 Hände gespielt und ich hatte noch keine richtige Ahnung was für eine Art Spieler der Allin war. Ich betete, dass es :Ax :Kx, :Ax :Qx oder :Jx :Jx haben möge, zahlte, sah seine Kings und...

SEAT OPEN!!!

Bahhh, wie gemein. Insgesamt 3h Fahrzeit (Hin und Rück), ein Knöllchen, eine Mautgebühr, Parkplatz- und Benzinkosten für nicht einmal eine Stunde Poker. Plus das Startgeld, ist ja klar. Dabei hatte ich vor, auch ein wenig Cashgame zu spielen. Da das aber bestimmt noch 2-3 Stunden gedauert hätte, denn es gab durch das Turnier ja keinen freien Pokertisch, fuhr ich schon so gegen 21:00 wieder nach Hause :-(


^^ Fast Bahamas Feeling ^^

Bitte ein Fischbrötchen und ein Marzipanbrot zum mitnehmen!!!


Liebe Grüße


Euer Sven


Montag, 7. September 2009

Mit einem Taxi nach Paris!?!

Wie gut man trotz eines nicht so erfolgreichen Starts in eine Turnierserie schlafen kann, merkte ich als ich auf meinen Reisewecker starrte. 15:00 Uhr stand da!!! Meine Augäpfel sprangen wie wild in alle Richtungen und sofort wurde der Wecker auf seine Funktionstüchtigkeit hin überprüft. Aber es schien alles seine Richtigkeit zu haben. Kann man denn trotz der gleichen Zeitzone einem Jetlag zum Opfer fallen oder haben mir etwa die als Dealerinnen verkleideten Elfen gestern Abend zum Abschied noch den Staub des Schlafes mit Ihrem Zauberstab in meine Äuglein gehaucht?

15:OO Uhr !!! OMG !!!


Wie dem auch sei, es wurde nun langsam Zeit sich ein „Frühstück“ zu besorgen. Mit Brötchen, Butter, Käse und Aufschnitt verließ ich den kleinen Warschauer „Tante Emma“ Laden, der praktischer Weise gleich gegenüber meines Hotel lag und genoss dann auf meinem Zimmer, mit einem Gläschen Cola (anstatt Kaffee) mein verspätetes Brunch. Eigentlich wollte ich mich ja während meines kleinen Festmahls ein wenig vom Fernseher berieseln lassen, aber es gab in meinem Hotel lediglich einen deutschen Sender, nämlich „Deutsche Welle-TV“. Aber die übertrugen zu dieser Stunde nur Reportagen und Nachrichten in englischer Sprache. Hätte ich ja auch von alleine drauf kommen können, dass die keine Sendungen auf Deutsch anbieten, heißt ja schließlich „Deutsche Welle“ und RTL überträgt ja auch nicht auf Luxemburgisch… lol

Satt, frisch geduscht und vollen Mutes ging es danach auf zum Olympic Casino, um an einem 660 Zloty (€ 150,-) Freezeout Turnier teilzunehmen. Da ich den Weg ja schon vom Vortag kannte, verkürzte sich meine Reisezeit um sagenhafte 50% auf „nur noch“ 45 Minuten. Nachdem ich das BuyIn bezahlt hatte und einen kurzen Blick auf die große Turnierleinwand riskierte, staunte ich auch diesmal wieder über die sehr noble Struktur. Es gab 7k Startchips, 30 Minuten Level und (außer den ersten 3 Stufen) die gleichen Blinderhöhungen wie Tags zuvor.

30 Minuten Level

1.Level 50/100
2.Level 75/150
3.Level 100/200
4.Level 100/200 25 Ante
5.Level 150/300 25 Ante
6.Level 200/400 50 Ante
7.Level 300/600 50 Ante
8.Level 400/800 100 Ante
9.Level 600/1200 100 Ante
10.Level 800/1600 200 Ante
11.Level 1k/2k 200 Ante
12.Level 1,5k/3k 300 Ante
usw. usw.

Kaum das ich es mir auf meinem Stuhl gemütlich gemacht hatte, schwärmten Sie auch schon in herzförmiger Angriffsformation auf uns arme (männlichen) Spieler zu: Die hübschen Dealerinnen waren wieder da. „Soviel Feminismus beim Pokern hältst Du zwei Tage hintereinander nicht aus, ohne dauerhafte Konzentrationsschäden davon zu tragen.“ sprach meine innere Stimme zu mir. „Dann musst Du Sie Dir eben hässlich saufen“ trotze es aus der Gegend, wo sonst eigentlich meine Leber Ihre Daseinsberechtigung hat. Und Urplötzlich streckte sich mein linker Arm wie von Geisterhand geführt ganz alleine in die Höhe, um der flotten Bedienung zu verstehen zu geben, dass ich jetzt bitte ganz schnell ein Bier bräuchte. Dazu möchte ich kurz erwähnen, dass ich während der gesamten 8 Wochen in Las Vegas nicht einen einzigen Tropfen Alkohol angerührt hatte. Denn normalerweise bin ich der Meinung, dass Pokern und „Schnapps“ wie Feuer und Wasser sind. Auf der anderen Seite: Warum sich nicht auch mal ausnahmsweise ein wenig Skill von Scotty Nguyen abschauen, schließlich ist der mit ein oder zwei Bierchen 50k Horse Weltmeister geworden. Oder sollten es wohlmöglich noch viel mehr gewesen sein? :-) Also dann mal her mit der Gerstenkaltschale!

Es liegt in der Natur der Sache, dass einen der Alkohol mehr oder weniger benebelt, einem die Sinne trüben lässt und das scharfe Sehvermögen den Bach runter geht. Bis dahin ging mein Plan also voll auf :-) Bedenklich aber für mich war, dass ich Aufgrund dieser kühlen Blonden vom sonst so soliden und tighten Hamburger Fischkopf zum aggressiven und planlosen Donkey mutierte. So schaffte ich es innerhalb von nur 35 Minuten mein Starting Stack von 7k auf 3k runter zu spielen. Gar nicht gut :-(

Also wurde dem ganzen schnell ein Riegel vorgeschoben und die Pipeline zur Bar wurde (vorerst) gekappt. So fand ich dann auch langsam wieder zu meinem normalen Spiel zurück und holte mir meine Chips nach und nach wieder. Als wir dann von den anfänglich ca. 45 Starten nur noch 16 waren konnte ich mit Riverglück eine Schlüsselhand gewinnen, die mich quasi an den FT brachte:
Bei Blinds von 600/1200 +100 Ante raiste der doch recht loose Button standardmäßig auf 3,6k. Ich saß in der BB und nachdem SB gefoldet hatte, überlegte ich mir was ich mit nun anfangen sollte. Mit ca. 14k Chips und einem M von 5 entschloß ich mich zu einem Reraise Allin. Dieses wurde nach einiger Überlegung vom Button gecallt und er drehte um. AUTSCH und ich dachte echt, dass er nur klauen wollte. Doch ein Ass auf dem River und alles war gut :-)

6 Plätze wurden bezahlt und als der FT nur noch mit 9 Spielern belegt war, drückte ich wider meines Charakters mal für eine ganze Weile aufs Gaspedal und raiste auch oft mit Vollschrott. Da 2 Agros rechts und 2 Tighte links von mir saßen, ging sich das ganze auch wunderbar aus. Ich wollte unbedingt genug Chips haben, damit ich nicht wieder wie in Vegas als geplatzter Bubble von der Casinowand abgekratzt werden muss. Hipp hipp hurra, der Plan ging auf. Als der Siebte gehen musste, knallten die Sektkorken und die Atmosphäre am Tisch schlug von Grrrrrrrrr in ein „Hab Euch doch auch lieb“ um. Die letzten 45 Minuten die ich am FT mit Pokern durfte waren wirklich feucht Fröhlich und haben mir sehr viel Spaß bereitet. Ich musste dann als 4. meinen Hut nehmen, als ich vom Button mit puschte und gegen lief.

Aber ich war (ausser in Level I und II) sehr Glücklich über mein Spiel und natürlich darüber, dass ich meinen fünften Hendon Mob Eintrag geschafft habe. Für einen Profi ist so ein Eintrag bei einem €150,- Turnier sicherlich nur Peanuts, aber als Hobbyspieler freue ich mir darüber ein Loch in den Bauch. Geld ist eben nicht alles.

Meine Mob Statistik


Daher wurde der Erfolg auch, mit noch einigen anderen Turnierteilnehmern, bis Morgens halb Fünf an der Casino Bar gebührend begossen. Olala, das ganze Casino drehte sich auf einmal um meinen Kopf herum und ich geriet in leichte Schieflage. Wie würde ich bei diesem Seegang in mein Hotel kommen können. Na klar, Taxi war das Zauberwort. Schwankenden Fußes schlich ich also zur Rezeption des Hotel Hilton und versuchte dem Mitarbeiter in akzentfreien, lallenden Englisch klar zu machen, dass ich eine Droschke bräuchte. Daraufhin meinte der nette Herr Concierge, dass das kein Problem wäre und ich nur kurz warten möge, bis der Wagen da sei.

Nach nur einer Minute stand auch schon ein Mann in feinem Anzug vor mir und es war Zeit zum Auto zu gehen. WOW!!! Hinter der Glasdrehtür des Hotels stand eine pechschwarze Mercedes Limousine der X,Y oder was weiß denn ich Klasse. Ledersitze, Echtholzverkleidung anstatt Plastik an den Armaturen und Beinfreiheit ohne Ende. Das nenn ich mal Taxi. Da ich aus dem Internet wusste, dass mein Hotel ca. 8km vom Hilton entfernt lag und ein Taxifahrer in Warschau ca. 3 PLN pro km nehmen darf, kam ich nach Adam Riese auf ca. 25 Zloty für diese Tour. Als wir jedoch am Ziel angekommen waren und er von mir ZWEIUNDSIEBZIG Penunsen haben wollte, hätte ich Ihn fast mit seiner edlen Krawatte am Lenkrad festgezurrt. 72 !?!? Hätte er mir während der Fahrt wenigstens ein paar Filmchen gezeigt, wie zum Beispiel den Straßenfeger seiner Chefin Paris Hilton „One Night in Paris“, dann ja dann wäre der Preis sicherlich angemessen gewesen, aber so.
Anm. des Svens: Ich weiß natürlich nicht, um was für einen Film es sich mit der Hotelerbin handelt. Angeblich soll es eine Art von Naturdokumentation sein und ich guck doch so gerne Dokus.

Wie dem auch sei, ich musste bezahlen. Als ich am nächsten Tag den Rezeptionisten ins gepflegte Blumenbeet vor der Eingangshalle rammen wollte, bekam ich (zum Glück für Ihn noch rechtzeitig) folgende Auskunft von Ihm: Der Taxifahrer war kein Taxifahrer, sondern ein Chauffeur und das angebliche Taxi kein Taxi, sondern der hauseigene Hilton Hotel Limousinenservice. Die Preise dafür stünden auf einer Tafel direkt neben der Drehtür und seien gut sichtbar BEVOR man in das Auto steigt. Ja, ja kleiner Klugscheißer, aber nicht mit XX Gin Tonic im Kopf!!! Danke Paris, Danke Hilton!

Hat mal jemand ne Aspirin für mich???

Liebe Grüße
Euer Sven

P.S. Mit dem nächsten Eintrag möchte ich Euch dann zeigen, dass es sich auch ohne Pokerabsichten lohnt, mal nach Warschau zu reisen.

Mittwoch, 2. September 2009

Polsky, Pokersky, Hendon Mobsky?

Das Casino der Olympic Gruppe erreichte ich mit hechelnder Zunge und müden Beinen so gegen 19:30. Ist schon dumm wenn man von der Bushaltestelle 60 anstatt 10 Minuten braucht, obwohl das Hilton Hotel nun wirklich nicht gerade das kleinste in Warschau ist und einem zudem auch noch riesige Buchstaben am Hoteltower sagen „Hilton Hotel Warszawa“ Sollte ich meinen Blick vielleicht ab und an mal nach Oben richten?

Die Registrierung für das Turnier hingegen verlief Problemlos, so dass mir noch genug Zeit blieb mich mal umzuschauen. Ich war ja schon ein wenig enttäuscht, denn obwohl sich das Casino über 3 (teils recht winzige) Etagen erstreckt, war es doch recht klein. Für die Pokerspieler gibt es einen Turnierbereich mit gerade mal 4 Tischen und auf der gegenüberliegenden Seite nochmals 3 Cashgametische. Hier wurde also mit Sicherheit nicht die EPT ausgetragen. Aber man soll ja nicht gleich die Flinte ins Korn schmeißen, wenn einem mal etwas nicht gefällt.

Linkes Bild: Die drei Cashgametische und rechts der Bereich für Blackjack, Roulette etc.

Denn die Endschädigung kam dann prompt um 20:00 Uhr, als mein Turnier begann und ich die Blindstruktur sah. Ich bin ja nun kein Pro und kann auch noch nicht sagen, dass ich bereits Hunderte von Turnieren auf dem Buckel habe, aber ein wenig Turniererfahrung habe ich im Laufe der Jahre schon sammeln können und so etwas hatte ich noch nie erlebt, denn:

Wir spielten einen Satelliten fürs Main Event, was 110 PLN (€ 28,-) kostete und für die es 1000 Startchips gab. Des weiteren waren unl. Rebuys für je 100PLN in den ersten 90 Minuten erlaubt und es gab ein optionales Addon für ebenfalls 100PLN und 2k Chips. Normalerweise ist ein Casino ja meist bestrebt so ein Satellitenturnier schnell durchzuziehen, aber das war hier ganz anders. Denn für so ein relativ kleines BuyIn gab es folgende grandiose Blindstruktur:

30 Minuten Level
1.Level 10/20
2.Level 20/40
3.Level 30/60
4.Level 50/100
5.Level 75/150
6.Level 100/200
7.Level 100/200 25 Ante
8.Level 150/300 25 Ante
9.Level 200/400 50 Ante
10.Level 300/600 50 Ante
11.Level 400/800 100 Ante
12.Level 600/1200 100 Ante
13.Level 800/1600 200 Ante
14.Level 1k/2k 200 Ante
15.Level 1,5k/3k 300 Ante
usw. usw.

Ein Traum für einen jeden Pokerspieler und für mich tighten Sack natürlich genau das Richtige :-)

Aber das Wort „Tight“ schienen die meisten anderen noch nie gehört zu haben. Es wurde in der Anfangsphase teilweise wirklich erbärmliches Poker gespielt und es gab ein Rebuy nach dem anderen. Aber ich ließ mich davon nicht beirren und spielte meinen Stil wie gewohnt weiter. Denn mit Rebuy und Addon sollte man noch nah an der 4K Marke an Chips liegen, wenn es dann in die Freezeoutphase geht. Und so war es dann auch bei mir. Obwohl ich ohne Rebuy auskam, hatte ich nach 90 Minuten ca. 4k Chips. Sicherlich hatten einige erheblich mehr als ich, aber bei einem Average von ca. 6k lag ich noch ganz gut im Rennen.

Sage und schreibe 11 Plätze wurden bei gerade mal ca. 40 Startern bezahlt. Kam mir ziemlich viel vor, denn das BuyIn für´s Main Event kostete schließlich 2200PLN. Leider aber sollte es nicht zu einem Platz in den TOP 11 für mich reichen. Ich schied nach knapp 5 Stunden aus dem Turnier aus und da waren es immer noch 19 Spieler, die sich um einen der 11 Plätze stritten. Wirklich erstaunlich für „nur“ einen Satelliten. Viel Poker für wenig Geld = Daumen hoch !!!

Aber trotz des „Daumen hoch´s“ für diese tolle Blindstruktur, nistete sich doch ein übler Beigeschmack an meinem zarten Gaumen bei mir ein. Und Schuld waren die Dealer. Nein Entschuldigung, genauer gesagt die Dealerinnen. Es gab an diesem Abend nämlich außer dem Floorman, keinen einzigen männlichen Angestellten. Nicht das mich das sonst Stören würde und in Las Vegas sind ja auch oft Frauen als Dealer am Tisch die einem die Karten geben. Aber das, was ich mir hier in Warschau anschauen musste, war eine bodenlose Frechheit. Warum???

Manche "Vekehrs"zeichen sagen mehr als tausend Sätze. Alles klar? :-)

Wie elfengleiche Wesen kamen Sie daher, mit Ihrem langem, sich auf den nackten Schultern wiegenden Haaren. Mit zarten und leicht gebräunten Händen streichelten Sie das Spieldeck als wenn es ein rohes Ei gewesen wäre und die 52 Karten glitten wie geschmolzene Butter durch Ihre Finger. Der Duft von frischen Rosenblättern stieg aus den Poren Ihrer samten Haut empor und man konnte das liebliche Aroma riechen wenn man sich Ihnen (natürlich nur rein Formell) zu sehr näherte. Nur mit einem sinnlichen Blick aus Ihren treuen Augen gaben Sie einem zu Verstehen, das man an der Reihe war eine Aktion auszuführen. Das allerschlimmste allerdings war, das der Ausschnitt Ihres hübschen Kleides so tief war, das man bis nach Novosibirsk hätte schauen können, wenn man gewollt hätte :-) Wie aber bitte schön soll sich denn der Sven, der ja bis dato schon über ein Jahr seiner „Singlestrafe“ abgesessen hat, sich jemals auf seine Karten oder die Gegner konzentrieren?

Tief in der Mitte Russlands liegt Novosibirsk. Viele schöne Berge und Täler soll es haben :-)


Und auf einmal hörte ich aus der Richtung der holden Weiblichkeit den Klang eines Kusses, wenn man Ihn in die Luft haucht. „Schluss mit Trübsal blasen!!!“ schrie es sofort aus dem Teil meines Hirns, das es so nur bei Männern gibt, „Heute bist Du fällig Sven!!!“ hallte es noch nach. Ja, ja Banane und nix mit biste fällig. Die Dealerinnen geben Ihrem Floorman auf dieses, von mir noch nie zuvor gesehene, Zeichen zu verstehen, dass z.B. ein Spieler ausgeschieden ist. Da wird nicht laut „FLOOR“ gerufen, sondern es wird stehst in die Luft geküsst, wenn man den Saalchef braucht. Ob diese, in meinen Augen sehr respektvolle Variante des herbeirufens, eine spezielle Höflichkeitsform aus Polen ist, weiß ich leider nicht.

Jedenfalls galt der Kuss nicht mir, (zumindest nicht direkt..lol) sondern lies den Turnierdirektor lediglich wissen, das der Spanner da auf Platz 5, der den halben Abend auf das Warschauer Glockenspiel gaffte, gerade rausgeflogen ist.

Zum Abschluss gönnte ich mir dann so gegen 2:00 Uhr Nachts noch ein Bierchen und einen Gin Tonic. Bei nur 4h Schlaf in den letzten 48h Stunden fühlte ich mich sofort wie auf Wolke 7 und torkelte anschließend leicht benebelt zu meinem Nachtbus.

Ich brauche jetzt dringend eine eiskalte Dusche!!!

Wird sich aber mein Traum eines neues Mobeintrages noch erfüllen??? Fortsetzung folgt....
...Euer Sven