Reeperbahn, Große Freiheit und die Herbertstrasse sind nur drei von vielen Schlagwörtern, bei denen einem Hamburger Nachtschwärmer das Wasser im Mund zusammen läuft, wenn er an seinen geplanten Zwutsch "auf" St. Pauli denkt.
Und nachdem meine letzten Spielbank Besuche, in den Casinos von Lübeck und Hamburg, als eher unerfreuliche Erfahrungen von mir abgeheftet werden mussten, entschloss ich mich vorletzte Woche, mal mein Glück in einem Privatclub auf St. Pauli zu versuchen. Ja, auch wenn es mir meine Erziehung, durch die ersten Schuljahre auf einer katholischen Schule, eigentlich nicht erlauben sollte den Pfad der Tugend zu verlassen, so konnte ich der Versuchung doch nicht widerstehen, die dunkle Seitengasse der Sünde zu betreten, um neue Erfahrungen sammeln zu können. Versuch macht Klug
![]() |
| Im Herzen Hamburgs: St. Pauli |
Natürlich ging mein Ausflug nicht in SO einen Privatclub, wie einige kleine Ferkel jetzt wohl denken mögen, sondern in die „AceClub“ Poker Lounge am Hans-Albers-Platz. Da im „AceClub“ nicht um harte Euros gespielt wird, sondern der Spaß am Pokern im Vordergrund steht, stellte ich mich schon mal auf einen gemütlichen Abend ein.
Meine Faulheit siegte mal wieder gegenüber der Vernunft und so entschied ich mich dafür, mit dem Auto auf den Kiez zu fahren. Eigentlich völliger Blödsinn, denn der „AceClub“ liegt so zentral, dass es mit Bus und Bahn ein leichtes ist, ihn zu erreichen. Aber ich such ja so gerne einen Parkplatz!!!
Gegen 18:45 war ich dann endlich auf dem Hans-Albers-Platz und …..
![]() |
| Erst im Innenhof zu entdecken: Die Leuchtreklame vom "AceClub" |
…vom Pokerclub war weit und breit nichts zu sehen. Wie ein Tiger im Käfig lief ich mehrmals um den Platz herum, so dass bestimmt schon einige Passanten dachten, ich würde „Kundschaft“ suchen
Kneipen, Rotlicht und Imbissbuden, aber eine Werbetafel mit der Aufschrift „Aceclub“? Fehlanzeige!!! Oh,Oh, dabei fing das Turnier doch schon in 15 Minuten an. Dann endlich sah ich es, ein kleines Schild mit dem Clublogo und einem Pfeil, der mir den rechten Weg zeigen sollte. Ich hielt mich brav an die „Pfeilangabe“ und stand Sekunden später auch schon vor einem großen Gittertor, das einem Einlass in einen Hinterhof geben sollte, wenn es nicht verschlossen gewesen wäre. Ich kam mir vor wie unser Ex-Kanzler, der damals verzweifelt vor dem Kanzleramt stand und mit dem Schrei „Ich will hier rein“ am Eisentor rüttelte. Ich hatte aber keine Lust, so wie Gerhard Schröder einige Jahrzehnte zu warten, bis ich endlich Einlass bekommen würde und drückte ganz zart und smart den Klingelknopf
Bingo! Ein leichtes Summen ertönte und die Pforte öffnete sich. Doch die nächste Hürde ließ nicht lange auf sich warten: Denn um ins Treppenhaus zu gelangen, muss man abermals klingeln, um herein gelassen zu werden. Im 2. Stock angekommen, stand ich dann vor einer dicken Stahltür. „Wenn hier jetzt auch noch eine Gesichtskontrolle stattfindet, kann ich mir meinen Pokerabend wohl abschminken“ dachte ich noch so zu mir, als auch schon die Tür aufging und ich endlich das sah, wofür es sich zu Leben lohnt: POKERTISCHE !!! ![]()
Mein erster Eindruck der Location war genau so, wie ich es mir von einem Pokerclub auf St. Pauli auch vorgestellt hatte: Denn die tiefhängenden, schwarzen Lampenschirme über den Tischen, die „naturbelassenen“ Wände ohne viel Schnick-Schnack, eine Feuertreppe die zum Hinterhof führt — immer gut auf St. Pauli
— und der dezente Geruch von Tabak versetzten mich kurzzeitig in den Glauben, am Filmset von „Der Pate“ zu sein.
Mit 15,-€ kaufte ich mich in das, immer am Samstag stattfindende, Deepstack Turnier ein und gönnte mir vor dem Start noch eine Flasche alkoholfreies Bier. Macht einen zwar nicht blau, soll aber sehr gesund sein
. Da auch Christin aka Davina Darr von IntelliPoker vorhatte, an diesem Abend das Haus zu rocken, hielt ich nach Ihr Ausschau und erspähte sie ein paar Minuten später an der Garderobe. Es fällt mir doch wesentlich leichter, mich an das Klima eines für mich neuen Clubs oder Casinos zu gewöhnen, wenn ich dort jemanden kenne. Wenn auch bis dato nur durch E-Mails. Aber Intelli ist ja schließlich eine große Familie:-) Nach einem kleinen Smalltalk hieß es aber auch schon: Shuffle up and Deal!
![]() |
| kleiner Einblick in einen Teil des "AceClub" |
Gestartet wurde mit 5k an Chips und die Blinds erhöhten sich in moderaten Sprüngen, alle 15 Minuten. Nun würde ich das Startstack von 5k nicht unbedingt als Deep bezeichnen, aber es lässt sich schon ganz gut damit taktieren. So fing ich auch wie immer tight an und hoffte in den ersten 3-4 Level auf den Pokergott und gute Karten. Ich konnte meinen Stack auf ca. 11-12k bringen und dachte: „Es läuft, Sven“, als mir durch 2x ![]()
das Turnier verhagelt wurde. Ich hab die Hände nicht mehr 100%ig in der Birne, aber es lief ungefähr so. In der ersten ![]()
Hand lief ich gegen ![]()
und ich musste mir den Pot bei einem ![]()
![]()
Board teilen. Bei der zweiten Hand zeigte mein Gegner ![]()
und ich hielt ![]()
Bei dem Flop von ![]()
![]()
hatte ich ja noch die Hoffnung, einen Flush zu bekommen, jedoch brachte der zweite
auf dem Turn mir mein Drawing Dead und ironischerweise kam auf dem River noch ein
Na toll, dann eben auf zum Cashgame.
Cashgame im „AceClub“ bedeutet, dass man für ebenfalls 15,-€ einen Gegenwert von 2k Chips erhält und damit (bei Blinds von 25/50) versucht, seinen Stack möglichst weit ins Plus zu bringen. — OK, darauf wärt Ihr sicherlich auch von alleine gekommen
— Die dazugewonnenen Chips werden am Ende des Abends in Punkte umgerechnet und dafür kann man sich dann Drinks an der Bar kaufen oder man spart sich seine Punkte auf, um sich etwas größeres aus dem Prämienkatalog auszusuchen.
Da saß ich also mit meinen 2k und hatte den wohl lustigsten Abend meiner Cashgame“Karriere“, denn schon nach wenigen Minuten war mir klar, dass ich (fast) alles vergessen musste, was ich jemals bei Intelli über Cashgame gelernt hatte. Also, zum Beispiel: Standardraise, Potgröße, Bluffen oder Value Bet. Die Spieler am Tisch waren ohne Ausnahme nett, freundlich und es wurde viel gequatscht und gelacht. Also quasi fast wie zu Hause. Und die Spielstärke der Meisten schloss sich dem Homegameniveau an. Und das meine ich nicht böse, denn ich wollte heute ja hauptsächlich Spaß haben.
Unter anderem saß da „Frau Bauchgefühl“ mit an meinem Tisch. Sie traf in den ersten Stunden fast jeden River, egal ob 2,3 oder 4 Outs, egal ob der Call nach Flop oder Turn gerechtfertigt war oder nicht. Denn wozu braucht der Mensch Pot Odds, wenn der Bauch schreit: CALL! Den größten Lacher aber brachte Sie mit einer Hand zu stande, die ich wohl nie mehr vergessen werde: Das Board zeigte ![]()
![]()
und ihr Gegenüber wettete auf dem River einen nicht unerheblichen Betrag, den Sie auch brav bezahlte. Er zeigte den
zur Straße und Sie drehte eine
um. Der anschließende Satz von Ihr: „Ich dachte, Du spielst an, weil Du „nur“ den King hast und nicht den Buben“ brachte den Tisch zum beben. Nice Hand, Lady
Ich glaube, Christin verdrehte Ihre Augen noch mehr als ich, lol.
![]() |
Mit 10k ging meine Session zu Ende und es wurde das Abschlussturnier ausgerufen. Wer daran teilnehmen möchte, zahlt dafür 2k an Chips von seinem Cashgamestack. Wer weniger hat, darf seine restlichen Chips mit ins Turnier nehmen und fängt als Shortstack an. Die Blinds verdoppeln sich bei diesem Turnier zwar alle 10 Minuten und daher ist viel „Lotto-“ oder „Bingoerfahrung“ von Nöten, aber ich finde diese Idee, mit einer Art Freeroll den Pokerabend zu beenden, sehr gut!
Und was soll ich sagen, es scheint so, als hätte ich von meinem letzten Vegasurlaub die Lizenz zum Bingo spielen heimlich mit in den Koffer gepackt, denn ich konnte das Turnier gewinnen. Was zählen da denn schon noch die MOB Einträge, wenn man in seiner Heimatstadt den ersten MTT-Sieg seiner Karriere und 30k „AceClub“ Punkte mit nach Hause bringen kann?
Ich weiß nicht, ob es am Duft des Siegens oder an meinem breiten Grinsen lag, aber als ich um ca. 02:15 wieder über den Hans-Albers-Platz ging, um zu meinem Auto zu gelangen, wurde ich von zahllosen, jungen Damen angesprochen. „Hey Süßer, hast Du mal kurz Zeit?“ oder „Du bist aber nett, kommst Du mit hoch zu mir?“ sind nur die Spitze des Eisberges dessen, was mir so zugehaucht wurde. Aber ich bin ja nicht blöd, die wollten bestimmt nur das eine von mir, nämlich meine PUNKTE!!! Ne,ne, nicht mit mir Ladys
![]() |
| Hier kommen die schweren Jungs und leichten Mädchen hin, wenn sie nicht artig waren: Davidwache Hamburg |
Erfolg macht ja bekanntlich süchtig und so versuchte ich eine Woche später erneut mein Glück im „AceClub“ und fand mich plötzlich auf einer „Geburtstagsfeier“ wieder, zu der ich gar nicht eingeladen war. Der Club feierte nämlich seinen 2. Geburtstag und aus diesem Anlass wurde das Buyin für heute auf 10,-€ gesenkt und es gab zu jedem Buyin noch ein Bier oder Softdrink oben drauf. Vielen Dank dafür und nochmals Happy Birthday! Diesmal lief es allerdings nicht ganz so gut und außer einem Plus von 2k Chips im Cashgame war an diesem Samstag nichts für mich zu holen.
Abschließend kann ich mit meinem wirklich reinem, katholischem Gewissen sagen, dass es sich für jeden begeisterten Hobbyspieler lohnt, einmal einen Abend im „AceClub“, auf St. Pauli zu verbringen. Man merkt Matthias und seiner Crew an, dass sie was vom Pokern verstehen und beim Ausrichten von Turnieren und Cashgame Spaß an der Sache haben. Es wird vernünftigund zügig gedealt, die Tische sind schön groß und bei Farbe und Qualität der Pokerchips könnte sich manch ein Casino mal eine Scheibe abschneiden. Mir hat´s gefallen! Sorry, ich komm wieder
Achso, bevor ich es vergesse: Es braucht keiner von Euch Angst zu haben, im „AceClub“ auf schwere Jungs oder leichte Mädchen zu treffen. Alles Menschen wie Du und ich. Obwohl, würde ich mich selber dort treffen wollen???
Muss weg, in der Glotze kommt „Der Pate“ Teil 13!
Liebe Grüße
Euer Sven
Next Stop: 23.10. Deep Stack Schwerin














