Donnerstag, 1. Oktober 2009

Warum ein klares Schwarz und Gelb besser ist als Lila/Rot/Grün

….das werde ich Euch später gerne erläutern. Und keine Angst: Ihr seit weder auf der Homepage vom gelben Guido gelandet, noch werde ich Euch mit irgendwelchen, politischen Nachlesen zur Bundestagswahl 2009 langweilen, denn: Isch kandidier(t)e nicht, weisse Bescheid Schätzelein :-)

Ne, ne ich schreibe immer noch auf den Seiten von IntelliPoker. Aber auch wenn es in meinem heutigen Bericht nicht um Politik, Kirche oder ähnliche Streitthemen geht, werde ich mir wohl sehr wahrscheinlich den Unmut einiger Menschen aufhalsen. Mein heutiger Blogeintrag handelt nämlich von meinen Erlebnissen im Casino Esplanade, erbaut in der schönsten Stadt der Welt: In „meinem“ Hamburg. Seht Ihr, geht schon los. Ich kann jetzt schon deutlich einige Buuuhs bis zu mir nach Hause hören, denn mit meiner Liebeserklärung an HH werde ich mich bestimmt schon ein wenig in die Nesseln gesetzt haben. Aber was nützt mir, als stolzer Hamburger, die ganze Schleimerei rund um meine Heimatstadt, wenn das Casino mitsamt seinem Turnier meine Erwartungen nicht erfüllen konnte.

^^ Binnen Alster mit Rathaus^^
Mit dem Auto ging es also am Samstag in die Hamburger City und kaum hatte meine alte Blechlaube die Schranke des Parkhauses der Spielbank vor seinen Scheinwerfern, quietschten auch schon die Reifen und im Rückwärtsgang ging es wieder Ruck zuck vom Hof. € 6,- Euro für einen kleinen Schlafplatz ohne Vollpension für mein Auto zu bezahlen erschien mir nicht angemessen und so parkte ich in ca. 300m Entfernung vom Casino, nämlich am Bahnhof HH-Dammtor. Zwar stand das arme Ding jetzt im Freien, aber es kostet dort am Samstag und Sonntag keinen Cent.

Der zweite Schock folgte dann beim Check in. Das jedes deutsche Casino einen Ausweis verlangt und die Daten dann anschließend speichert, ist mir ja schon bekannt gewesen. Das ich jedoch auch als Pokerspieler € 2,- Eintritt bezahlen muss, war mir neu. Davon mal ganz abgesehen: Warum verlangen Deutsche Spielbanken überhaupt Eintritt? Die Casinos wurden allesamt von unseren Steuergeldern gebaut, bringen dem Staat durch Roulette, Black Jack und Slotmaschinen viel Geld in die leeren Haushaltskassen und wer als „reicher Mann“ reingeht um sich dem Glücksspiel hinzugeben, geht zu einem sehr hohen Prozentsatz eh als Verlierer wieder raus und zahlt doppelt.

Auch die Pokerspieler werden durch den Eintritt doppelt zur Kasse gebeten, denn schließlich zahlen wir bei einem Turnier ca. 10% des Startgeldes noch mal on Top als Kommission und bei einem Cashgame gehen meist 5% des Pot´s ans Haus. Hamburg ist das erste Casino das ich kenne, wo man auch als Pokerspieler Eintritt zahlen muss. Gar nicht Nice :-(

Meine Turnieranmeldung für die Premiere das erstmals ausgetragenen Turniers „YOUR TOURNament“ ging zügig und ohne Probleme von statten. Für das Buyin von € 50,- + € 5,- bekam ich 3000 Chips und jeder Teilnehmer hatte die Option in den ersten 60 Minuten ein Rebuy für € 25,- / 3k Chips zu tätigen und das unabhängig von seinem Stack. Ich dachte bisher immer, dass man ein Rebuy nur dann machen kann, wenn man weniger Chips hat als das Startingstack war, aber wenn dies die Hausregel ist, geht das in Ordnung.

^^ Hamburger Fernsehturm^^
Kaum saß ich am Tisch, erblickten meine alternden Augen auch schon das nächste „Problem“: Die Jetons! Bunt wie Hund, in allen erdenklichen Farben, sowie Sie die der liebe Gott vor Millionen von Jahren erschaffen hat. Später kamen dann 1k und 5k Jetons ins Spiel, die dazu auch noch einen größeren Durchmesser hatten. Also, fast jede andere „Sportart“ hat seine festen Regeln, unabhängig ob Amateur oder Profi, erste oder zweite Liga. Beim Fußball zum Beispiel ist der Ball immer rund, gehört ins Eckige und ein Spiel dauert 90 Minuten. Beim Pokern aber darf jedes Casino seine Jetons bedrucken wie es der Chef will, dabei gibt es doch mittlerweile Standardfarben für bestimmte Werte, wie Sie auch bei der WSOP oder EPT eingesetzt werden.



^^ klare Farben mit Wertaufdruck anstatt bunte Willkür: die Standartchips eines großen Turniers ^^
Egal, Schwamm drüber. Die Stimmung am Tisch jedenfalls war sehr gut, freundlich und es wurde fast mehr gequatscht als bei manchem Kaffeekränzchen. Ich kam mir fast vor wie bei einer geselligen Homegamerunde. Dumm nur, wenn aufgrund dieser lockeren Stimmung sich einige Dealer dazu hinreißen lassen auch redseliger zu werden. Es kann einfach nicht angehen, das ein Dealer mit dem Satz: „Du hast doch schon XXX Chips im Pot“ einen Spieler dazu animieren will, nach dessen Call ein Raise vom Gegenspieler zu bezahlen. Das darf ja noch nicht einmal ein anderer Spieler am Tisch, selbst wenn er nicht an der Hand beteiligt ist. Auch sonst war die Qualität der Dealer, na sagen wir es mal nicht ganz so scharf, nicht dem eines Casinos entsprechend. Es wurde z.B. das „reintröpfeln“ von Chips nicht als Stringbet erkannt. Außerdem wurden bereits verdeckte, gemuckte Karten umgedreht, obwohl der Spieler, der den Pot aufgab NICHT der Aggressor war. Den größten Knaller brachte allerdings der Dealer, der in der Antephase zu uns an den Tisch kam und uns mit ernster Miene fragte, warum wir denn alle schon einen 25er Chip in die Mitte schieben würden. Lol, was´n Spaß :-)

Bevor ich dann mal endlich zum eigentlichen Turnier komme, möchte ich ausdrücklich betonen, dass ich keinesfalls den armen Dealern die Schuld für solche Fehler gebe und mich auch nicht über Sie Lustig machen möchte. Schuld sind meiner Meinung nach die Übungsleiter bzw. Saalchefs, die offenbar eine schlechte bis gar keine Schulung vermittelt haben. So verstehe ich auch nicht, wie ein Turnierdirektor 45 Sekunden vor Ablauf des Blindlevels „nach dieser Hand Blinderhöhung“ annoncieren kann. Ist der Hellseher??? Der weiß doch gar nicht, ob die aktuelle Hand schnell oder langsam gespielt wird und eventuell bereits vor dem Ende der 45 sec. wieder Neu gemischt wird. Bei einem Sachpreisturnier habe ich ja viel Verständnis für kleinere Fehler seitens der Turnierleitung, aber ich saß hier in einem mehr oder weniger staatlichen Casino und da erwarte ich mehr. Achso, ich vergaß die Deutsche Bahn ist ja auch staatlich und bei denen …......
^^ Spielbank Esplanade Hamburg ^^
Jetzt aber zack, zack zum Turnier. Ich hatte nicht nur einen stimmungsvollen Tisch erwischt, sondern auch einen sehr leichten. Ich würde schätzen, dass 4-5 schwache bis sehr schwache Spieler und lediglich 2-3 gute Spieler am Tisch saßen. Die restlichen hielten sich im „Niemandsland“ auf, entsprachen also somit meiner Spielstärke :-) Glücklicherweise saßen die zwei sehr loosen Spieler rechts von mir und mit denen hatte ich auch die meiste Konfrontation.
Gleich im ersten Blindlevel bekam ich in der SB AxAx und raiste bei 2 Limpern auf 350. Einer von den beiden bezahlte und mit Kx8x8x bekam ich einen super Flop. Ich setzte 700 von vorne und wurde bezahlt. Der Turn brachte einen Jx. In der Hoffnung er hätte den Kx getroffen wollte ich Schwäche zeigen, so als wenn ich AxQx oder ein mittleres PP in der Hand hätte und checkte. Die Gefahr eines Draws schloss ich dabei aus. Mit einer 6x auf dem River setzte ich nun knapp halben Pot, doch leider sprang er nicht drauf an und schmiss seine Hand weg. Denke mal, dass er eine Hand hatte, wie ich Sie auf dem Turn repräsentieren wollte :-)

Ich schloss die Rebuyphase mit ca. 3,2k ab und kaufte mir für € 25,- das Rebuy = 3k Chips, sowie das Addon für ebenfalls € 25,- = 4,5k Chips. Ob es allerdings eine schlaue Idee war, beides einzulösen, müssten mir mal bitte die Rechenfüchse sagen. Denn nach Rebuy und Addon kostete eine Runde bereits 700 Chips. Jedenfalls ging ich mit knapp 11k nach der Pause wieder an den Tisch. Ziemlich kurz danach bekam ich AhJd in der SB und füllte bei 4 Limpern nur auf. Bei einem AcTc3c Flop checkte ich wie alle anderen auch, bis der Button 1,5k wettete. Nun, der Button war der absolut looseste Spieler am Tisch und ich konnte einfach nicht widerstehen, gerade Ihm vorzugaukeln, dass ich bereits einen Flush getroffen hätte und raiste auf 3,5k. Natürlich waren da noch 4 andere Spieler, die eventuell nur gecheckt haben um Ihr „Monster“ zu verbergen, aber ich musste es einfach tun :-) Weil alle anderen wegschmissen, ging mein Plan soweit auch auf, bis der Button mir ein Allin als Antwort gab. Zitrone, Banane und Fold.

Nun kommt leider schon meine letzte Hand: In MP hatte ich KxKx und leider nur noch 5,2k Chips bei einem M von 1900 Chips pro Runde. Ein sehr schwacher und Chipverliebter Spieler machte vor mir bei Blinds von 300/600 Ante 100 ein Miniraise auf 1200. Wenn nicht gerade er dieses Raise gemacht hätte, wäre ich logischer Weise sofort Allin gegangen. Ich ging aber davon aus, dass wenn ich nur auf 3,6k Reraise, die anderen Mitspieler die Stärke meiner Hand sehen und somit folden würden, er jedoch mit ziemlicher Sicherheit nur seine 1,2k Jetons in der Mitte sieht und die 2,4k nachzahlt.
Er setzte mich sogar sofort Allin. Bingo, her mit den Chips! Als ich dann noch die Qx9x offen vor Ihm liegen sah, konnte ich mir ein breites Grinsen nicht verkneifen. ABER: Wer zuletzt lacht ….usw., denn der Dealer schaffte es mich mit XQxQx X X aus dem Turnier zu kegeln. Ich wette, selbst wenn mein Gegenspieler Kx X gehabt hätte, wäre ich gegen einen Drilling rausgeflogen.
Fazit: Ich wollte das er mich callt, ich hoffte auf eine Schwache Hand und einem Fehler von Ihm, er tat mir den gefallen und dennoch war mein Turnier nun zu Ende.

Isch hab Kreislauf,
Euer Sven

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