Erst mitten in der Nacht von Sonntag auf Montag buchte ich mein Hotel für Warschau über deutsch.hotels.com, ohne das ich auch nur einen blassen Schimmer hatte wo dieses Hotel in der Hauptstadt Polens lag und ob so eine kurzfristige Buchung über einen Zweitanbieter überhaupt klappen würde. Sollte ich wohlmöglich ohne Unterkunft in der Millionenstadt stranden? Denn bereits in wenigen Stunden sollte mein Flieger nach Warschau starten.
Dementsprechend unruhig verlief dann auch meine Nacht und ich konnte gerade Mal 1½ bis 2 Stunden Schlaf finden. Zu all dem Übel pisackte mich den Rest der Nacht auch noch eine Moskitofamilie, die natürlich nur das Beste von mir wollte. Aber Aufgrund der netten Glückskäfer und Flöhen, die mir hier im Forum schon soviel Freude bereitet hatten, verzichtete ich natürlich darauf, dieses junge Familienglück mit meiner Fliegenklatsche zu beenden. Schließlich gehören diese Blutsauger ja auch irgendwie zur Rasse der Insekten.
Ähem, nun ja, Ihr habt ja Recht. Niemand wäre so Blöd sich dieses hochtönige und Nerv raubende Gesumme die halbe Nacht über gefallen zu lassen und leider muss ich zugeben, dass auch ich versuchte diesen kleinen Vampiren den Gar auszumachen, aber entweder war ich zu Blind oder zu Dumm eines von den Viechern zu erwischen. (Leider sehr wahrscheinlich letzteres) Dennoch hoffe ich, dass Sie während meines Kururlaub´s an Blutarmut zu Grunde gehen werden :-)
Mit kleinen Augen ging es dann um 7:30 von Norderstedt aus mit dem Taxi (gesponsort von meinem Sklaventreiber:-) zum Flieger. Da eine nette Dame des Ticketschalters mir bereits meine Bordkarten ausgedruckt und am Counter hinterlegt hatte, konnte ich, ohne mich am Ende der Schlange des Checkin´s anstellen zu müssen, gleich zur Sicherheitskontrolle durchmarschieren um bei meinem Abfluggate aufzuschlagen.
Mein Flug mit der Lufthansa ging zunächst einmal nach München und dann mit Augsburg Airways weiter nach Warschau. Was jetzt natürlich jedem Logisch erscheinen mag, da die Strecke Hamburg-Warschau genau so lang ist wie Ham-Muc und die Lufthansa ja „nur“ 2 x pro Tag Nonstop von Hamburg nach Warschau fliegt. Meine Streckenführung hingegen war doppelt so lang und kostete mich mit dem Umsteigen in München ungefähr 3 x so viel Zeit wie ein Nonstop Flug. Ne, ist klar, ich hab ja Zeit und bin Top-Fit :-)
Ist dies die neue Streckenführung nach Vegas für Billigtickets?
Aber einem geschenkten Barsch guckt man ja bekanntlich nicht hinter die Kiemen, denn ich hatte den Flug von der Lufthansa quasi gesponsort bekommen, weil ich mal, zusammen mit meiner Ex, auf einem internen Fest der LH ein Charity Turnier ausgerichtet hatte. Und da ich mit solch einer noblen Geste seitens des Kranichfliegers echt nie gerechnet hatte, bin ich auch trotz des Umweg´s über München der Deutschen Lufthansa sehr Dankbar über meinen Freiflug.
Gegen 12:45 Uhr war es dann endlich so weit und ich stand mit meiner kleinen Habe und ein wenig frisch gewaschener Wäsche in meinem handlichen Rollkoffer in der Ankunftshalle des Warschauer Airports. Doch nun hatte ich auf Anhieb gleich 3 neue Probleme. Ich hatte keine Zlotys, kein Busticket und Null Ahnung was die Schriftzeichen auf den Hinweisschildern bedeuten sollten. Zlotówki, Wawerski, Podolski ????? Mir doch egal, ich brauche polnisches Geld und zwar schnell, sonst schlafe ich hier noch ein.
Nach ca. 10 Minuten konnte ich dann meine erste Hürde erfolgreich bewältigen und einige meiner hart verdienten Euros in Zlotys umtauschen. Stolz wie Oscar, nach langer Zeit endlich mal wieder soviel Geld in der Tasche zu haben (1 € = 4 PLN), ging ich zum nächsten Zeitungskiosk. Hier werden einem nämlich die Fahrkarten für den öffentlichen Nahverkehr verkauft. Als ich dann im Laden um eine Busfahrkarte bat und diese auch sofort bezahlen wollte, brach der Verkäufer spontan in Tränen aus. „Wow“, dachte ich „sieht er in mir seinen seit langen verlorenen Sohn wieder und freut sich über diese unglaubliche Ähnlichkeit“ Ne, ne es waren eher Tränen der Wut als er meinen 100 Zloty Schein sah. „Willst Du wirklich EINE Fahrkarte mit einem Hunderter bezahlen?“ fragte er mit mich in Englisch mit doch recht energischer Stimme. „Oh, dann nehme ich noch eine Cola dazu!“ Aber seine Laune wurde dadurch keinesfalls besser. Nach einiger Überlegung entschloss ich mich dann dazu, mir gleich eine Wochenkarte zu kaufen. Und siehe da, auf einmal wurde er ganz Milde und Freundlich zu mir :-)
Die Busverbindung zum Hotel hatte ich mir glücklicher Weise schon aus dem Internet ausgedruckt und so war es nicht allzu schwierig in den richtigen Bus einzusteigen. Was allerdings etwas in die Hose ging, war das Umsteigen in meinen Anschlussbus, denn obwohl es eine Tafel mit der Streckenführung im Bus gab, stieg ich Aufgrund der ganzen Endungen mit ský, ócý oder wasz natürlich viel zu Spät aus dem Bus aus. Und da stand ich nun in der weiten Prärie von Warschau ziemlich dumm da. So musste ich nun mit Koffer und Laptop wieder ein paar Stationen zurück laufen um den korrekten Bus zu erreichen.
Um 14:30 Uhr konnte ich dann ein grelles Licht am Horizont entdecken: MEINE Station war erreicht und ich freute mich schon riesig auf mein Hotel und ein Bett für einen kurzen Mittagsschlaf. Bloß schnell raus aus dem Bus bevor ich noch weiter aus Warschau rausgefahren werde. Aber als ich mich an der Haltestelle umsah, war von einem Hotel weit und breit nichts zu sehen. Lediglich eine Tankstelle, ein Autohaus und ein Plattenbau mit 3 Trakten fiel in den Fokus meines Auges. Oder sollte etwa.....das wäre ja wohl ein Witz wenn....
….aber so war es leider. Der Plattenbau war mein „Hotel“. Nicht schön anzusehen aber immerhin ein 5 Sterne Hotel. Also natürlich nur dann, wenn man die Sterne von jedem Hoteltrakt addiert. Witzigerweise ist nämlich in jedem Plattenbau ein Hotel untergebracht, dass zudem auch noch von der selben Hotelkette betrieben wird. Ein 3 Sterne und zwei 1 Sterne Hotels. Ihr könnt ja mal Raten, wie viele Sternlein Sven ´s Hotel abbekommen hat...lol
Nachdem Checkin ging es sofort hoch in mein Zimmer. Sauber war es ja und die Betten schienen auch O.K. zu sein. Aber nachdem ich meine am Flughafen gekaufte Cola wieder in den Kreislauf der weiten Welt bringen wollte, musste ich leider feststellen, dass es kein Wasser für die Toilettenspülung gab. Ja das ist ja mal eine Überraschung. Ein Glück das ich mir am Airport kein 5-Gang Menü gegönnt hatte und da nun nur so ein bisschen Cola vor sich her schwamm :-)
Vielen Vorurteilen über polnische Handwerker zum Trotz (die ich natürlich NIE hatte), stand nach meinem Anruf bei der Rezeption auch schon keine 5 Minuten später der gute Mann vor meiner Tür und setzte die Spülung wieder in Gange. So konnte ich anschließend, nach fast 8h Reisezeit, endlich wieder ins Koma fallen, um mich für mein erstes Turnier Fit zu machen. Von Vegas nach Hawaii benötigte ich im Übrigen nur unwesentlich mehr Zeit :-)
2 Stunden Schlaf mussten reichen, denn schließlich war ich ja zum Pokern hier und nicht im Schlaflabor. Mit dem Wissen, das ich nicht genau wusste wo das Casino lag, fuhr ich schon um 17:30 Uhr mit dem Bus vom Hotel los. Und das war auch gut so, denn leider lief ich für 60 Minuten wie eine Katze die sich in den Schwanz beißen will ums Casino drumherum, bis mir endlich eine kleine Kerze aufging und ich das Hotel Hilton Warschau mitsamt dem Casino vor meiner Nase hatte.
Wie meine ersten Erlebnisse und Ergebnisse meiner Warschauer Pokertour im Olympic Casino vom Hilton Hotel Warschau ausgefallen sind, das erfahrt Ihr (wenn Ihr mögt) am Dienstag oder Mittwoch.
Kann mir mal bitte jemand einen Hunderter wechseln???
Euer Sven



Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen