Reinhold Messner ist Ihm ja angeblich schon begegnet, hatte aber sehr wahrscheinlich vor lauter grünem Tee und dicken Socken im Rucksack keinen Platz mehr für seine Kamera. Dumm gelaufen für Ihn. So wollte ich der erste sein, der ein brillantes und beweisträchtiges Foto vom Urmenschen der Berge macht und malte mir schon aus, wie es sich mit der ersten Millionen auf meinem Konto leben würde.
Die Odds, den Jeti unter einer Kapputzenjacke getarnt und mit großer Sonnenbrille auf der Nase in einem Pokerroom in Vegas zu finden, standen allerdings schlecht. Wobei ich mir bei einigen Spielern nicht so ganz sicher bin, was einem da für Gestallten zum Vorschein kommen würden, wenn die erst einmal Ihre Tarnung lüften. Möchte man vielleicht auch gar nicht immer wissen :-)
Wie auch immer, ich musste aus Vegas raus. Da die Busse jedoch nur bis zur Stadtgrenze fahren und auch meine Monatskarte abgelaufen war, gönnte ich mir heute einen Mietwagen um den Mt. Charleston zu erklimmen. Dort oben würde ich mein großes Geld machen und mir Ruhm und Ehre verdienen.
Die Anmietung des Wagens verlief nicht ganz so problemlos, wie ich es mir eigentlich vorgestellt hatte. Die Dame am Rent-a-car Counter wollte nämlich gerne den Voucher von mir haben, den mir die Deutsche Autovermietung leider nur per E-Mail zugeschickt hatte. Nun hatte ich aber rein zufällig keinen Drucker in der Tasche und bin leider auch nicht mit Siegfried und Roy verwandt. So musste ich an einem öffentlichen Internetterminal mit Druckerzugang in meinen Mailaccount um diesen blöden Schein auszudrucken. Kostete mich mal eben $ 5,- zusätzlich zum Mietwagenpreis, von dem ich aber noch einen Rest von etwa $ 1,50 für den nächsten Ausdruck habe.
Auf dem Mietwagenvertrag standen dann wieder tausend Sachen drauf, die ich entweder nicht haben wollte oder schon in meinem Paket inklusive waren. Nach einigem Hin und Her wurde wieder einiges davon gestrichen, bis nur noch 2 Dinge auf dem Zettel standen, die angeblich da so stehen müssten und kostenlos wären. Da bin ich ja mal auf meine morgige Abrechnung gespannt. Die Dame kann sich heute schon mal neue Turnschuhe kaufen und damit fleißig Sprint´s üben, falls ich doch noch was an nicht gewollten Extras bezahlen muss.
Mit Autoschlüssel und Kamera in der Hand, ging es dann zum Parkhaus und ab nach Mt. Charleston. Die ersten Minuten am Steuer sind schon komisch, wenn man über 4 Wochen nicht mehr selber gefahren ist. Außerdem sucht man mit dem linken Fuß am Anfang der Fahrt immer vergeblich nach dem Kupplungspedal. Dumm nur, das ein Automatikgetriebe keins hat und man stattdessen immer auf die Bremse tritt :-)
Als ich dann ein paar Minuten später an der ersten roten Ampel stand, wunderte ich mich über lautes Gehupe hinter mir, das trotz größter Hirnleistung meinerseits, keinen rechten Sinn für mich machte. Naja, vielleicht eine Hochzeitskarawane mit lautem Tamm Tamm, dachte ich, bis ich merkte, dass der Fahrer hinter mir sich darüber aufregte, dass ich meinen Hintern keinen Zentimeter bewegte, um endlich nach Rechts abzubiegen. Da fiel es mir dann wieder ein, dass es ja in Amiland erlaubt ist, auch bei Rot den Rechtsabbiegerturn zu machen. Peinlich, Peinlich.
Aber mein Fahrstil wurde im Laufe der Zeit immer besser, so dass es jetzt zügiger voran ging.
Nach ca. 35 Minuten erreichte ich das Eingangsschild zum Mt. Charleston. Hier untern war die Vegetation noch so, wie man Sie aus der „Wüstenregion Vegas“ kennt. Karg, Kakteen und wenig grün. 10 Minuten später aber sah man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. Einfach nur schön, vor allem wenn man 4 Wochen nichts als grau und/oder bunte Neonreklame gesehen hat. Und beim Aussteigen aus dem Auto dann das: Zzzzzzzzzzzzzzztttttttt, Psssssssssstttttttt !!! Eine himmlische Ruhe, es roch so schön nach frischem Tannengrün und die Temperatur war um einiges niedriger und angenehmer als in der City. Hier oben konnte ich sogar wildes vögeln hören. Ähhmm ich meinte natürlich, man konnte hier oben sogar dem lieblichen Gesang von wilden Singvögeln lauschen.

Aber ich war ja nicht wegen der Vögel hier, sondern um den Jeti zu ärgen. Da das Viech sicherlich sein Häuschen im Wald gebaut hatte, ging es auch sofort rein in den selbigen. Denn auf dem Parkplatz stand ein Hinweisschild: „To Little Fall, ¼ Mile“.
„Little Fall = Wasser = Jetitränke“, vermutete ich. Nun ist das mit Hinweisschildern immer so eine Sache und man weiß nie wer so ein Ding aufgestellt hat oder wie ich es zu verstehen sei. ICH ging davon, einfach eine ¼ Meile geradeaus zu gehen und dann am Ziel zu sein. In Wirklichkeit musste ich aber die Entfernung Bergauf und in Höhenmetern zurücklegen. Oder war es nur meine Raucherlunge die mir das Vorgaukelte und das Schild sprach die Wahrheit ???
Jedenfalls war der Wasserfall maximal ein Fällchen und außer einem Gecko weit und breit nichts von wilden Tieren zu sehen. Alle Mühe umsonst. Kein Geld, kein Ruhm und keine Ehre :-( So hieß es mit leeren Taschen zurück nach Downtown.
Und dort ging es Abends an meinem Hotel Front Desk wieder hoch her. Um 11:00 und um 15:00 war mein neues Zimmer noch nicht sauber, aber angeblich geblockt. Als ich jedoch um 23:00 Uhr endlich wieder im Hotel war und umziehen wollte, hatten Sie mein Zimmer vergeben und aus dem Wechsel wird heute nichts. Sollte die Empfangsdame, aufgrund meiner „Bemerkungen“, nicht fluchtartig die Stadt verlassen haben und morgen wieder in Ihrer Schicht sein, werde ich es noch mal bei Ihr versuchen.
Ich muss jetzt dringend unters Sauerstoffzelt, denn meine Lunge pfeift noch immer :-)
Liebe Grüße aus Sin City,
Euer Sven






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