Es ist schon erstaunlich, was einem so zeitweise alles für´s Startgeld geboten wird. Manchmal hat man(n) Glück und es sitz einem eine junge, gutaussehende Dame mit tiefen Dekolleté und kurzem Röckchen gegenüber, die allerdings vom Pokern genauso wenig Ahnung hat wie Du vom Periodensystem. Und dann, irgendwann im zweiten Level des Turniers, schiebt Sie Dir nach Ihrem X-ten Allin mit einem sanften Lächeln Ihre restlichen Chips rüber. Sie haucht Dir beim Aufstehen noch mit Ihrer elfengleichen Stimme ins Ohr: „But it was suited“ und es tut Dir so unendlich Leid. Nein, nicht wegen Ihrer letzten Chips die nun auf Deinem Stack sind, sondern weil Sie sich jetzt auf den Weg macht, um in diesem exklusiven Nachtclub nebenan ein paar Gläser Martini on the Rocks zu trinken, Du aber musst, anstatt Ihr zu folgen, weiter mit diesen nach Schweiß und Alkohol riechenden Proleten das blöde Turnier zu Ende zocken, weil Du Deine letzte Kohle in dieses Buyin gesteckt hast.
Die Drei Musketiere, die unter anderem heute mit an meinem Tisch saßen, waren vom obigen Beispiel Meilenweit entfernt, aber trotzdem sehr amüsant. Ein junger Wilder, der den Pokerstil der heutigen Zeit perfektionieren wollte, daneben ein älterer Herr mit sehr wachen Augen und World Champion von 1972, Mr. Thomas „Amarillo Slim“ Preston.
Schon in der ersten Runde fing Mr. Young Guy an zu limpen, zu raisen und zu reraisen, als wenn er dafür eines der Vier WSOP Bracelets von Amarillo abbekäme. Das gefiel dem älteren Herren mit den guten Augen überhaupt nicht und so beschloß er ab Runde 2 das Kriegsbeil auszugraben. „Ich kann fast jedes mal Deine Hole Cards sehen und weiß mit was für einem Schrott Du da spielst“, sagte er zu Ihm, was zwar für Gelächter am Tisch sorgte, den „Wilden“ aber wenig entzückte und seine Laune wohl daraufhin auch nicht besser wurde.
Als der Agressor dann vom Button mit einem Raise die BB vom Adlerauge klauen wollte, ging dieser als Antwort darauf sofort Allin und sagte zum jungen Spieler: „64 of clubs is not a good hand, Sir“, woraufhin es zum Eklat kam. Der junge Wilde sprang, wie eine schlechte Rumpelstielschen Imitation, von seinem Stuhl auf und verlangte beim Dealer den Floorman. Aber der Floorman gab den beiden Streithähnen lediglich eine Ermahnung und sagte zu Ihnen: „Have Fun, play Poker“.
Amarillo Slim schien auch seinen Spaß ein der Vorführung zu haben, denn er sagte anschließend leise zu mir: „I am an old man, but this guy is fu...ing old and crazy“ Lol, Mr. Weltmeister, sagt man so etwas über seinen Mitstreiter?
Für mich war die Reise mit den Dreien leider in Level 5 zu Ende. UTG raiste auf 1200 bei Blinds von 200/400 und ich fand QQ in UTG2 mit nur noch 4100 Chips, die ich natürlich in die Mitte schob. UTG callte mit AK und der Flop brachte gleich den Overkill mit A K x. Wobei mir der Turn mit einer 10 noch vier weitere Outs gab, reichte es nicht.
Ich glaube, das war das erste mal in Vegas 2009, dass ich mit der leicht besseren Hand aufstehen musste. Von daher kann ich mir heute keine Vorwürfe machen. Außer vielleicht nicht mindestens 12-13k Chips gehabt zu haben, denn dann hätte ich auf 3,6k gereraist und wäre bei diesem Flop mit Sicherheit noch im Turnier geblieben.
Amarillo Slim spielt(e) im übrigen wirklich Old School of Poker. Wenn er bei Showdowns Hände zeigen musste, waren diese durchweg ordentlich und die Raises waren vernünftig gesetzt. Für mich als Amateur ist es schon cool mit solch einem Poker-Dino am Tisch zu sitzen. Im letzten Jahr hatte ich bei der WSOP über mehrere Stunden Main Event Gewinner Tom McEvoy an meiner Seite, der aber ist ja 2 Dekaden jünger als Amarillo und daher erst ein kleiner Dino.
Nach meinem Abendessen schaute ich noch mal im Turniersaal vorbei und sah, dass sich Amarillo und „Wild Guy“ unter die letzten 25 vorgekämpft hatten. Anscheinend führen ja doch beide Spielweisen zum Erfolg.
Ich zieh mir jetzt noch ein Kapitel Harrington rein,
Liebe Grüße, Euer
Sven
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